Linde-Mitarbeiter bei der Analyse vor Ort
Automatisierung ist nicht der gefürchtete Job-Killer

Intralogistik³

Vor noch nicht allzu langer Zeit prophezeiten Fachleute die Zahl der bis 2019 weltweit eingesetzten mechanischen Mitarbeiter auf 1,4 Millionen. Eine realistischere Einschätzung scheint heute jedoch eher bei 2,6 Millionen zu liegen. In Deutschland entfallen laut einer IFR-Studie auf 10.000 Beschäftigte der produzierenden Industrie erst 301 Roboter. Damit belegt die heimische Industrie im weltweiten Ranking für Automation zurzeit Platz 4.

Da die stark nachgefragte Automation die Robotik auch hierzulande zu einer sehr begehrten Berufsgattung macht, spricht vieles dafür, dass diese Zahlen schon kurzfristig nach oben korrigiert werden müssen. Zumal auch noch der durch den demografischen Wandel verursachte Fachkräftemangel der Automatisierung Vorschub leistet.

Dass die zunehmende Automatisierung der Arbeit bei Belegschaften nicht nur Zuversicht, sondern auch Ängste und Skepsis weckt, liegt auf der Hand. Die Befürchtung, die künstliche Intelligenz könnte den Menschen als Arbeitskraft überflüssig machen, ist zwar verständlich, aber nicht wirklich realistisch. Erst mal ist der Trend zur Automatisierung von Branche zu Branche sehr unterschiedlich ausgeprägt. Große Vorreiterin ist hier die Automobilindustrie.

Automatisierung schafft neue Arbeitsplätze, denn sie erfordert anstelle der traditionellen Hand- vermehrt die Kopfarbeit.

In anderen Bereichen hinkt die Automatisierung in der Intralogistik noch hinterher. Die Ursache dafür liegt vor allem in fehlenden effizienten Prozessen und mangelnder Transparenz. Logistikleiter wissen oft nur wenig über ihr tatsächliches Auftragsvolumen, den genauen dafür erforderlichen Zeitaufwand und die daraus resultierende Transportintensität. Erst mit mehr Transparenz, mit der präzisen Erfassung aller Arbeitsabläufe und der effizienteren Gestaltung der Prozesse drängt sich die Automatisierung als intelligentere Lösung auf.

Sie schafft neue Arbeitsplätze, denn sie erfordert anstelle der traditionellen Hand- vermehrt die Kopfarbeit. Dadurch wird die menschliche Arbeitskraft aber keineswegs überflüssig – ganz im Gegenteil: Die Befreiung von den zeitaufwendigen repetitiven Arbeiten, die Planung und Implementierung deutlich effizienterer Systemlösungen und die bessere Vernetzung in den Werkhallen verlangt der modernen Intralogistik eine Fülle neuer Tätigkeiten ab und schafft damit zahlreiche neue Berufsbilder. Voraussetzung dafür ist freilich, dass die Mitarbeiter diese Chancen der Zeit erkennen und offen sind für Veränderungen.

Der Zwang zur Effizienzsteigerung ist der aktuellen Marktentwicklung geschuldet: Immer mehr und immer kleiner werdende Transporteinheiten müssen immer schneller an ihren Bestimmungsort gelangen. Diese komplexe Aufgabe löst nur die Automation nutzbringend. Sie macht die Prozesse einerseits sicherer, schneller, günstiger und transparenter und bietet menschlichen Begabungen andererseits neue Entfaltungsmöglichkeiten. Die anspruchsvollere Arbeit im Daten- und Systemmanagement ist nur ein Beispiel dafür. Die Berufe der Intralogistik werden wissensintensiver, erfordern höhere Qualifikationen und permanente Lernbereitschaft. Und natürlich lassen sich mit der Automatisierung auch Personalkosten einsparen. Aber ist es wirklich ein Nachteil, wenn die gleichförmige, monotone manuelle Arbeit aus der Arbeitswelt verschwindet?

INTRALOGISTIK³ - Der Blog

Frank Heptner ist Senior Director Consultancy and Projects Intralogistics Solutions bei Linde Material Handling. Der studierte Witschaftsingenieur für Maschinenbau entwickelte sich im Laufe seiner über 15-jährigen Karriere zum Spezialisten in Sachen Automatic Warehouse Solutions.

Bei Linde verantwortet der gebürtige Deutsche, der in Frankreich aufwuchs, das Beratungsgeschäft für die Intralogistik und das Projektmanagement für Intralogistiklösungen. In seinem Blog blickt er auf die aktuellen Trends und Entwicklungen in der Branche.