E-Stapler von Linde beim Stapeln
Die denkende Palette

Zukunftsmusik

Bisher waren Paletten nur lebloses Holz, nun macht sich die digitale Vernetzung daran, sie sehen, hören und denken zu lehren. Wie das gehen könnte, erprobt die European Pallet Association e.V. zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik.

Intelligente Pallette mit Modul der Deutschen Telekom

Ladeträger wird zum Datenträger: Das zentrale Element der intelligenten Palette ist ein Machine-to-Machine-Modul der Deutschen Telekom.

Quelle: Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik.

Elf Bretter, neun Holzklötze, 78 Nägel, 1,20 Meter Länge, 80 Zentimeter Breite, 14,4 Zentimeter Höhe: Die Standard-Europalette ist heute der wichtigste Ladungsträger in der europäischen Logistik. Verpackungen, Transportmittel und ganze Förder- und Lagertechniksysteme sind auf jene normierten Paletten ausgelegt, mit denen die European Pallet Association e.V. (EPAL) den Lager- und Lieferbetrieb in ganz Europa am Laufen hält.

Aus dem logistischen Alltag ist die Europalette in unseren Breiten kaum wegzudenken. Ein Klassiker aus Holz, an dem sich nichts mehr verbessern lässt. Oder doch? Mit der fortschreitenden Digitalisierung in der Logistikbranche wird auch der Ruf nach einer neuen Paletten-Generation laut. Intelligent und kommunikativ soll das Brettergestell künftig sein: aufmerksam, hellhörig, mitteilsam.

Der Prototyp

Mit mehr als 500 Millionen Europaletten stellt die EPAL den größten offenen Paletten-Tauschpool der Welt zur Verfügung. EPAL-Paletten kommen in so gut wie allen Branchen zum Einsatz, die allermeisten Lager- und Transportsysteme in ganz Europa sind auf ihre Standardmaße abgestimmt. Was wäre, wenn diese Paletten hören, sehen und sprechen könnten? Was hätten sie zu sagen?

Für einen ersten Prototypen zum interaktiven Ladungsträger der Zukunft hat die EPAL mit dem Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML) zusammengearbeitet. Das Ergebnis ließ sich im März 2018 auf der internationalen Logistikmesse LogiMAT in Stuttgart bestaunen. Die denkende Palette geht aus der gemeinsamen Forschungs- und Entwicklungsarbeit von Fraunhofer IML und der Deutschen Telekom hervor. Das Projekt entstand im 2017 gegründeten Telekom Open IoT Lab, in dem Hardware-Prototypen für das Internet der Dinge entwickelt werden.

Europalette in Zahlen

  • 25 Kilogramm schwer
  • Breite: 1,20 Meter
  • Länge: 80 Zentimeter
  • Höhe: 14,4 Zentimeter
  • 78 Nägel
  • 9 Holzklötze
  • 11 Bretter

Modul im Holz

Herzstück der intelligenten Palette ist ein Machine-to-Machine-Modul der Deutschen Telekom, das auf der Funktechnologie „NarrowBand IoT“ basiert. Das Modul ist in einen Pressspanklotz eingepasst, der zusammen mit den anderen Holzelementen in der Palette verbaut ist. Das Modul ist nicht auf externe Stromversorgung angewiesen, da es von einer Batterie mit zehnjähriger Laufzeit gespeist wird. Es sendet in regelmäßigen Abständen kleine Datenpakete, die über den Status der Palette Auskunft geben: über die Art der Beladung, den aktuellen Standort, erkannte Beschleunigungen und Bewegungsverläufe oder die Umgebungstemperatur.

Das Modul erfasst diese Umfeld- und Handlingdaten über integrierte Sensoren und gibt sie anschließend an das Internet weiter. Der vorgestellte Prototyp ist G5-kompartibel und mit einer SIM-Card versehen. Wer den Informationsstrom nutzen will, etwa um die eigene Logistik zu optimieren, kann einfach eine Flatrate buchen.

 Machine-to-Machine-Modul der Deutschen Telekom

Das zentrale Element der intelligenten Palette ist ein Machine-to-Machine-Modul der Deutschen Telekom.

Quelle: Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik.

Unnötige Leerpalettenbewegungen

Wer das alles für technikverliebte Spielerei hält, denkt zu kurz. Intelligente Paletten, die jederzeit Standorte mitteilen, über aktuelle Ladung Auskunft geben oder ihre bisherige Lebensgeschichte offenbaren können, sind von vielfältigem Nutzen für die Logistik. Einige Schätzungen gehen beispielsweise davon aus, dass nur zehn bis 15 Prozent der physischen Leerpalettenbewegungen überhaupt notwendig sind. Wären alle Paletten einer Lieferkette über eine zentrale Stelle vernetzt, ließen sich die unnötigen 85 bis 90 Prozent Leerbewegung durch bessere Koordination spürbar reduzieren. Immense Kosten- und Effizienzvorteile wären die logische Folge.

Auch für die EPAL selbst brächte die intelligente Palette deutliche Vorteile. Etwa bei dem Versuch, sich vor Produktfälschungen zu schützen. Regelmäßig werden gefälschte Paletten von minderer Qualität in den EPAL-Pool eingeschleust. Die meisten von ihnen stammten aus der Ukraine. Prüfaktionen an der slowakischen und der polnischen Grenze entdeckten alleine im Mai 2015 rund 15.000 gefälschte Paletten.