Mehrere Roboter bei der Arbeit in der Produktion
Einmal individuell, bitte!

Zukunftsmusik

Im Übermorgen ist der Kunde mehr denn je ein König. Er ordert Millarden Pakete und lässt jedes Produkt nach seinen Wünschen gestalten. Das stellt die Logistikbranche vor große Herausforderungen. Aber einige mögliche Lösungen stehen schon in den Startlöchern.

2017 lieferte die Deutsche Post allein in Deutschland 1,3 Milliarden Pakete aus ­­­– mehr als je zuvor. 2018 werden es voraussichtlich noch mehr sein. Um dieser steigenden Flut kartonverpackter Ware Herr zu werden, treiben Logistikunternehmen und Lagerbetreiber stetig die Automatisierung voran.

Wir tun es vor dem Fernseher, in der U-Bahn, auf der Arbeit. Wir tun es vor dem Frühstück, nach dem Abendessen oder mitten in der Nacht. Eine schnelle Fingerbewegung auf dem Touchscreen und schon haben wir etwas bestellt. Was wir wollen, wann wir es wollen: Dank der Allverfügbarkeit von Amazon, Zalando und Co. sind individuellen Kaufimpulsen weder räumliche noch zeitliche Grenzen gesetzt. Auf Wunsch steht alles sogar schon am nächsten Morgen vor der Haustür. Das hat Folgen, vor allem für die Logistik.

Gehört die Zukunft dem Shuttle?

In automatisierten innerbetrieblichen Transportsystemen könnten künftig vor allem kleine, bewegliche Ladeträger, so genannte Shuttles, die wesentlichen Aufgaben übernehmen.

Shuttles kommen derzeit noch bevorzugt in Kanallagern zum Einsatz: Ein Umsetzgerät setzt sie vor Regalen ab, die in Kanälen organisiert sind. Das Shuttle fährt in ein Schienenprofil und sammelt die benötigte Ware ein.

Shuttles arbeiten autonom und sind gut vernetzbar. Das erleichtert es ihnen, sich selbst zu organisieren und ohne menschliche Steuerung zu klären, wer welchen Auftrag übernimmt und welche Route fährt. Für die automatisierte Fabrik der Zukunft ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Dematic bietet schon heute automatische Shuttle-Lager-Systeme an, die für die Ein- und Auslagerung von Kartons, Kleinteilen oder Gebinden zum Einsatz kommen und auch für das Handling von Behältern genutzt werden. Das Dematic Multishuttle 2 übernimmt unter anderem Lagerung, Kommissionierung und Auftragszusammenstellung.

Herausforderung: Riesige Datenberge

Im Zuge der Automatisierung entstehen entlang der Wertschöpfungskette gigantische Berge aus Daten und Metadaten. Um diesen hohen Komplexitätsgrad zu beherrschen, ist immer aufwendigere Software erforderlich. Immer leistungsfähigere Sensoren und Aktoren müssen entwickelt werden, um eine Lieferkette wirklich intelligent zu vernetzen.

Die Herausforderung für die Intralogistik der Zukunft wird nach Einschätzung von Experten vor allem darin bestehen, Prozessoren, Bedienelemente und Software in einem harmonischen, ergonomischen und leistungsfähigen System zu vereinen, mit dem sich dieses riesige Datenaufkommen effizient steuern lässt. Der Einsatz einer Künstlichen Intelligenz, die diese Prozesse selbstlernend optimiert, ist da nur der nächste logische Schritt.

Schmalganggerät von Linde zwischen Regalen

Massenunikate dank 3D-Druck

Vor ganz andere künftige Herausforderungen stellt die Logistik die Losgröße 1: das individuelle Produkt für jeden Kunden. Die Digitalisierung der Produktion macht es Unternehmen schon heute möglich, auf Bestellung Einzelstücke zu fertigen. Die kommenden Jahre werden diesen Trend noch intensivieren. Vom Auto über den PC bis zum bedruckten T-Shirt: In der Zukunft wird das Unikat zum Regelfall. Das Schlagwort lautet „Mass Customization“. Eine der ambitioniertesten und vielversprechendsten Ansätze, Massenproduktion zu individualisieren, ist der 3D-Druck.

Das Problem: Klassische Lager- und Fördertechnik ist dafür ausgelegt, große Mengen gleichförmiger Teile gemeinsam zu lagern und zu bewegen. Durch 3D-Druck entstehen nun Einzelstücke, die direkt an den Verbraucher versendet werden. Der Bedarf an Lagerplatz nimmt also künftig ab. Manche Logistikexperten verfolgen deshalb den Ansatz, Produktions- und Distributionslager zu einer Einheit zu verschmelzen und die Fördertechnik skalierbarer zu gestalten.

Ermöglichen könnte das eine Kombination aus Shuttles und fahrerlosen Transportsystemen. Solche Systeme sind flexibel einsetzbar und lassen sich leicht den Anforderungen anpassen. Durch Vernetzung bilden die einzelnen Elemente ein sich selbst organisierendes logistisches System. Praktisch könnte das so aussehen: Automatische Transporter fahren an vollautomatische Maschinen, Roboter-Mensch-Fertigungsinseln oder Kommissionierplätze heran und beliefern sie passend zu jeder individuellen Kundenanfrage mit dem benötigten Material.

Das intelligente Werkstück

Aber nicht nur Fahrzeuge und Fabrik, auch das Werkstück selbst soll künftig intelligent werden und an Produktion und Distribution mitwirken. Grundlage dafür ist, dass es über eine digitale Kennzeichnung mit einer Beschreibung aller Produkteigenschaften identifizierbar ist. Aktuell ist das zum Beispiel mit Hilfe von Radio-Frequency Identification, kurz RFID, möglich.

Auf diesem Weg nähert sich die logistische Wertschöpfungskette Schritt für Schritt dem Internet der Dinge an. Schon in wenigen Jahren wird das intelligente Werkstück dem Lager den eigenen Materialverbrauch melden, um einen Abgleich mit den Stücklisten anstehender Projekte zu veranlassen. Bei Bedarf kann frühzeitig Nachschub geordert werden. Dem Kunden wird es problemlos möglich sein, den Produktionsstand seiner Ware ab der Bestellung in Echtzeit online zu verfolgen. Individueller geht kaum.