Schmalganggerät von Linde im Einsatz
Digitale Trends mit "historischen Chancen“

Zukunftsmusik

Die Digitalisierung verändert Prozesse, Produkte und Geschäftsmodelle der Intralogistik. Doch welche Technologie hilft wirklich weiter? Und wie können Logistikunternehmen sie zu ihrem Vorteil nutzen? Die Bundesvereinigung Logistik geht diesen Fragen in der Studie „Trends und Strategien in Logistik und Supply Chain Management“ nach. Die Ergebnisse der Studie sind hochinteressant – und keine Zukunftsmusik.

Der Lagerarbeiter der Picavi GmbH bei Aachen setzt sich eine Brille auf. Nicht irgendeine, sondern eine Datenbrille mit eingebautem Barcode-Scanner. Sie führt ihren Träger visuell durch den Kommissionierprozess, unterstützt ihn bei jedem Arbeitsschritt. Der Scanner verifiziert die Packstücke automatisch, sobald sie im Sichtfeld des Brillenträgers auftauchen. Zeitgewinn im Vergleich zum brillenlosen Arbeitsprozess: sagenhafte 40 Prozent.

Nach solchen Potenzialen suchen die Autoren der Studie „Trends und Strategien in Logistik und Supply Chain Management“. Dafür befragten sie die Literatur und 38 ausgewiesene Experten in leitender Funktion im Logistik- und Supply-Chain-Management. 363 weitere Experten befragten sie online. Die Resultate diskutierten sie anschließend in sechs Fokusgruppen mit Logistikspezialisten aus Praxis und Wissenschaft – und deckten 15 Megatrends auf.

Trends kommen von innen und von außen

Top 3 interne Trends

  • Digitalisierung von Geschäftsprozessen
  • Transparenz in der Wertschöpfungskette
  • Automatisierung

Top 3 externe Trends

  • Kostendruck
  • Individualisierung
  • Komplexität

Grundlegend unterscheiden die Studienmacher interne und externe Trends. Interne Trends entstehen im Unternehmen. Externe Trends werden von außen an es herangetragen.

Häufig sind externe und interne Trends eng miteinander verknüpft. So verändert beispielsweise die zunehmende Automatisierung die Personalpolitik. Die Unternehmen, die interne Trends erfolgreich managen, können sich laut eigenen Angaben auch schneller an externe Trends anpassen.

Die für die Studie befragten Unternehmen sehen bei den internen Trends die Digitalisierung von Geschäftsprozessen, Transparenz in der Wertschöpfungskette und Automatisierung als besonders wichtig an. Das gilt insbesondere für mittlere und große Unternehmen.

Zukunftsmusik-Infografik-WoHM-Trends

Chance nutzen und Komplexität reduzieren

So starten Intralogistik-Unternehmen digital durch:

  • hohe Innovationsgeschwindigkeit
  • grundlegende Digitalisierungsstrategie statt vieler Einzelprojekte
  • aufgeräumtes IT-System

Die Studienmacher sehen in digitalen Technologien „historische Möglichkeiten“, um Komplexität bei Warenströmen zu reduzieren und im gleichen Moment die Produktivität zu steigern. Ihre Befragungen ergaben: Rund drei Viertel der befragten Unternehmen sehen die beschriebenen Megatrends als wichtig an, dennoch wollen mehr als die Hälfte erst einmal abwarten bis erprobte Lösungen am Markt sind.

Der erste und wichtigste Schritt bei der digitalen Transformation: ein aufgeräumtes IT-System. Die Standardisierung von Daten- und Schnittstellen – intern sowie über alle Wertschöpfungsstufen hinweg – ermögliche erst die vorausschauende Marktanalyse und entsprechend die Optimierung von Datenströmen.

Um von den Chancen der digitalen Transformation profitieren zu können, ist es essenziell, zunächst ein eigenes, intern abgestimmtes Verständnis zu schaffen sowie das Thema strategisch zu verankern und damit den Grundstein für den erforderlichen Unternehmenswandel zu legen.

Bundesvereinigung Logistik