Roboter mit Paket
Wenn der Blechmann zweimal klingelt

Zukunftslösungen für die letzte Meile

Die letzte Meile ist die große Herausforderung der modernen Stadtlogistik: Sie ist immens wichtig, aber auch teuer. Mit Fahrrädern, Drohnen und Robotern suchen die Unternehmen nach zukunftsträchtigen Lösungen.

Wenn es heutzutage an der Haustür klingelt, ist es wahrscheinlich der Paketbote. Allein 2016 beförderten er und seine Kollegen innerhalb Deutschlands mehr als drei Milliarden Sendungen. Der Bundesverband Paket und Expresslogistik (BIEK) schätzt, dass es 2021 bereits 4,15 Milliarden sein werden. Bei den Bestellungen ist Kunden dabei vor allem eines wichtig: Geschwindigkeit. Wie das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit ermittelte, wollen 17 Prozent ihr Packet noch am selben Tag, 64 Prozent spätestens nach drei Tagen.

Bei der Liefergeschwindigkeit kommt es wesentlich auf die sogenannte letzte Meile an, also auf den relativ kurzen Streckenabschnitt bis zur Haustür des Kunden. Dummerweise lauern genau hier Komplikationen. Beispielsweise sind Kunden häufig nicht zuhause, weshalb Pakete die letzte Meile oft mehrmals absolvieren. Das macht diesen Teil der Lieferstrecke sehr teuer: In der Branche gelten 3,50 Euro pro Sendung als realistische Kostenschätzung.

Zudem sind Kunden kaum bereit, die letzten Meter bis an ihre Haustür angemessen zu bezahlen. Für den Handel gilt E-Commerce deshalb nach wie vor als wenig profitabel. Sogar große Paketdienstleister haben Schwierigkeiten, die letzte Meile wirtschaftlich zu bedienen.

Kurier unterwegs auf einem Fahrrad

Der radelnde Bote

Kein Wunder also, dass sich Unternehmen verstärkt nach besseren, zukunftsträchtigeren Lösungen umsehen. Einer dieser Ansätze setzt auf den vermehrten Einsatz von Fahrradkurieren. Laut Prognosen soll in den kommenden Jahren das Verkehrsaufkommen im Transportwesen rasant weitersteigen. Die Folgen sind naheliegend: Stau und stockender Verkehr erschweren pünktliche Lieferungen noch stärker als heute schon. Vor allem in dicht gedrängten Innenstädten könnten die wendigen Fahrräder da einen echten Geschwindigkeitsvorteil bringen.

Noch bieten hauptsächlich kleine Unternehmen Fahrradlogistik-Dienste an. Aber das ändert sich bereits: DHL Express beispielsweise beschäftig schon heute Fahrradkuriere in einigen Städten Europas, etwa in den Niederlanden, Frankreich, Großbritannien und Italien.

Urbane Drohnen

Andere Szenarien verzichten vollends auf menschliche Boten und konzentrieren sich auf die Möglichkeiten moderner Technik. Eine Idee ist, Lieferdrohnen zu perfektionieren und sie in großer Zahl zur Bewältigung der letzten Meile einzusetzen. Allerdings sind die Rahmenbedingungen derzeit noch nicht optimal. Selbst bei ausgereifter Technik erschweren gesetzliche und betriebliche Anforderungen den Drohneneinsatz in urbanen Gebieten. Erste Versuche in diese Richtung laufen dennoch.

Amazon Drohne im Eisnatz

Bildrecht: Amazon

In Großbritannien etwa ist Amazon schon vor einigen Jahren eine Partnerschaft mit der Civil Aviation Authority eingegangen, um Drohnenlieferung zu testen. Die erste erfolgreiche Lieferung veranschaulichte sogleich das Potenzial der Methode: Im Dezember 2016 überbrachte eine Amazon-Paketdrohe einen Fire-TV-Videostreaming-Stick und eine Tüte Popcorn. Gerademal 13 Minuten musste der Kunde auf die Bestellung warten.

Roboter an der Haustür

Roboter von Starship Technologies

Bildrecht: Starship Technologies

Noch futuristischer wirkt der Plan, Pakete von Robotern liefern zu lassen. Aber auch diese Idee verfolgen einige Unternehmen bereits sehr ernsthaft. Die Firma Starship Technologies entwickelt beispielsweise Lieferroboter, die sich in einem Radius von drei Kilometern mit gut sechseinhalb Kilometern pro Stunde bewegen. Derzeit werden sie in Städten wie London und Hamburg getestet. Da sie kosten- und energieeffizient arbeiten, gelten sie Experten als realistische Option für die Zukunft des Last-Mile-Fulfilment,

Noch können die Roboter nur in einem sehr begrenzten Radius operieren. Deshalb gibt es Überlegungen, sie vorwiegend in lokalen, dicht im Stadtgebiet verteilten Lieferhubs einzusetzen. Vielleicht dauert es nur noch wenige Jahre, bis sie das Erscheinungsbild einer geschäftigen Innenstadt völlig verändern.